BBK · KRITIS-NRW · STROMNETZ-NOTFALL G-04
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72h-Schwelle · ohne Strom kollabiert die Stadt

BLACKOUT
PROTOKOLL
G-04

Eine Wohnung verliert pro Stunde 1–3°C — eine Stadt verliert in 72 Stunden ihre Identität. Cyber-Angriff, Sonnensturm, Kaskadenausfall: das Endergebnis ist gleich. Wärme, Wasser, Information, Disziplin. Wer den ersten Tag durchhält, wird die Woche durchhalten. Köln-spezifisch · winterhart · ohne CO-Tote.

Netz-Frequenz
50.0 Hz
Kritischer Punkt
72h
Wasser stoppt
12-48h
Vorrat-Min.
14 d
G-01 — Lagebild

Strom aus. Stadt brennt.

Köln hat ~600.000 Haushalte, eine Wasserversorgung mit elektrischen Pumpen, gas-, fern- und ölgeheizte Wohnungen mit elektrischen Steuerungen, fünf Krankenhäuser mit Notstrom für 24–72 h, eine U-Bahn die ohne Strom in Tunneln steht, und Tankstellen die ohne Strom keinen Sprit verkaufen.

Dauer-Kategorien

DauerWirkung in KölnMaßnahmen
≤ 4 hStandardausfall, Verkehrsampeln, Internet weg, Heizung pausiertAbwarten, Akkus laden wenn wieder da
4–24 hTiefkühl-Risiko, Mobilfunk-Mast-Akkus erschöpft (~6h), Notbeleuchtung ÖPNVVorrat checken, Funk auf Kurbelradio
1–3 dWasserdruck fällt, Heizung aus, Tankstellen leer, Lebensmittel knappWassersammlung, Wärme bündeln, Notvorräte
3–7 dKrankenhäuser auf Triage, Plünderungs-Risiko, Entsorgung kollabiertBug-Out evaluieren, Gemeinschaft bilden
≥ 7 dKritis-Kollaps, Lieferketten brechen, viele Tote durch Hypothermie/DialyseEifel-Hof, Selbstversorgung
Das BBK plant offiziell mit „72 Stunden Selbsthilfe-Fähigkeit" der Bevölkerung. Drei Tage ist die Schwelle, an der staatliche Strukturen (THW, Bundeswehr) anlaufen sollen. Realistisch verzögert sich das auf 5–10 Tage. Plane für 14 Tage — alles darunter ist optimistisch.
G-02 — Ursachen-Profile

Wie das Netz fällt.

KASKADEN-DIAGRAMM // NETZ-KOLLAPS KW-NIED NIEDERAUSSEM KW-NEUR NEURATH WIND/PV VOLATIL SUBST. 110 kV STADT KÖLN-MIT. KH-UNI NOTSTROM 72h WW KÖLN HOCHHAUS ! FREQ-VERLAUF: 50.0 → 49.5 → 49.0 → BLACKOUT
EINSPEISUNG · TRANSPORT · LAST · KASKADEN-PFAD

Top-5 Ursachen

Cyber-Angriff25%
Kaskadenausfall30%
Sonnensturm10-15%
Sabotage / Anschlag10%
Naturkatastrophe15%
Erzeugungs-Lücke5%
EMP / Nuklear<1%
NRW ist auf Braunkohle (Niederaußem, Neurath) und zunehmend Wind/PV angewiesen. Volatilität steigt — Kaskadenausfall-Risiko ebenso.
Ein Cyber-Angriff mit physischer Wirkung (BlackEnergy-Klasse) hat 2015/16 in der Ukraine mehrere Stunden Strom abgeschaltet. Die deutsche Energie-IT ist besser gehärtet, aber nicht unverwundbar. NIS2-Richtlinie erhöht Schutz, aber Lücken bestehen.
G-03 — Phasen-Plan

Was passiert wann.

T+0 · Lichter aus

Akut-Phase

Verkehrsampeln aus, ÖPNV stoppt, Mobilfunk-Masten laufen auf Akku, WLAN-Router tot. Tankstellen verkaufen kein Benzin mehr (Pumpen elektrisch).

T+1h · Mobilfunk geht

Cell-Tower-Akkus erschöpfen

Typische Cell-Akkus halten 2–6h, Notstromaggregate auf wenigen Masten. SMS und Anrufe scheitern. Internet via Festnetz-DSL bricht weg.

T+6h · Heizung kalt

Im Winter kritisch

Gas-/Öl-Heizungen mit elektronischer Steuerung versagen. Wärme verliert sich in 4–8h aus normalen Wohnungen, schneller in Altbau, langsamer in Neubau.

T+12-48h · Wasser stoppt

Druckverlust

Hochbehälter (z.B. Wasserwerk Hochkirchen) reichen anfangs noch via Schwerkraft. Pumpen für Hochhäuser fallen früh, Hochlagen länger versorgt. Toiletten-Spülung versagt.

T+72h · Krankenhaus-Triage

Notstrom erschöpft

Diesel-Notstrom Krankenhäuser für 24-72h ausgelegt. Beatmung, Dialyse, Kühlung Medikamente fallen aus. Tote durch Sekundärfolgen häufen sich.

T+5-7d · Soziale Schwelle

Plünderung & Migration

Lebensmittelläden geleert. Bargeldautomaten tot. Bargeld als einziges Zahlungsmittel. Mobilität in Richtung Land. Stadt-Land-Ungleichgewicht verschärft sich.

T+14d · Stabilisierung

Wiederaufbau oder Eskalation

Bei Cyber-Ursache: Netz schrittweise hochgefahren, Tag 7–14. Bei Sonnensturm mit Trafo-Schäden: Monate. Bei Kaskadenfehler: Tage.

G-04 — Kritische Versorgung Köln

Was du brauchst, was die Stadt nicht liefert.

Versagens-Timeline · 72 Stunden

FIG-G-3 · KASKADE-VERSAGEN · T+0 → T+72H T+0 T+1h T+4h T+6h T+12h T+24h T+48h T+72h ▌ STROM AUS Ampeln · Aufzüge · TK · WLAN ▌ MOBILFUNK FÄLLT Cell-Akkus erschöpft · 2-6h gestaffelt ▌ TANKSTELLEN AUS Pumpen elektrisch · Schlangen vorher ▌ HEIZUNG KALT Steuerung tot · Wärme-Drift einsetzt ▌ WASSERDRUCK FÄLLT Hochhäuser zuerst · Spülung versagt ▌ LEBENSMITTEL KNAPP Diskonter leer · Kühlkette tot ▌ ZAHLUNGSSYSTEM TOT EC-System aus · ATMs leer · Bargeld nur ▌ KRANKENHAUS-TRIAGE Notstrom-Diesel erschöpft · Beatmung versagt CASCADING-FAIL
VERSAGENS-TIMELINE · 72H · KRITISCHE INFRASTRUKTUR

Schwellenwerte

T+0 · Strom ausSofort
T+1h · MobilfunkCell-Akku
T+4h · TankSprit aus
T+6h · HeizungWärme-Drift
T+12h · WasserDruck weg
T+24h · AldiRegale leer
T+48h · CashEC tot
T+72h · KHTriage

Wasser-Strategie

  • Trinken: 2 L/Tag pro Person. Vorrat 14 d = 28 L pro Person, plus 50% Reserve.
  • Hygiene: WC-Spülung mit Grauwasser (Bad, Regen). Eine Eimer-Spülung statt automatisch.
  • Quellen Köln: Rhein nicht direkt trinken (Schwermetalle); mit Sawyer + Aktivkohle vorsichtig nutzbar. Brunnen in Außenbezirken kennen. Regenwasser-Sammlung vorbereiten.
  • Filter: Sawyer Mini, Berkey, Katadyn. Keramik-Filter gegen Bakterien. Aktivkohle gegen Geschmack & manche Chemikalien.

Krankenhäuser im Blackout

Uniklinik Köln72h Notstrom-Ziel, danach Triage. ICU-Patienten priorisiert.
MerheimÄhnlich. Schwerpunkt Brandopfer + Trauma.
Eduardus / St. MarienKleinere Einrichtungen, Notstrom kürzer.
PrivatpraxenKein Notstrom. Geschlossen.
ApothekenKassen elektronisch — Notbetrieb mit Bargeld + Liste.

Köln-spezifische Schwachstellen

  • U-Bahn (Linien 1, 4, 5, 18 etc.) — bleibt in Tunneln stehen. Bei Brand katastrophal.
  • Hochhäuser — Aufzüge, Wasserdruck oben weg. Treppensteigen zur Norm.
  • Karneval-Saison — wenn Blackout im Februar fällt: hohe Verkehrsdichte, viele unvorbereitet, Hypothermie-Risiko bei Kostümen.
  • Rheinhochwasser-Pumpen — fallen bei Blackout aus. Bei Hochwasser-Saison Doppel-Krise möglich.
  • Sülztalsperre / Wahnbachtalsperre — versorgen Köln mit Trinkwasser. Talsperren-Pumpen sind kritisch.
G-05 — Wärme im Winter

Im Januar ist Hypothermie das Hauptproblem.

Köln-Winter geht regelmäßig auf -5°C, in Kältewellen -15°C. Eine ungeheizte Wohnung verliert pro Stunde 1–3°C an Außentemperatur. Innerhalb von 24–48 h herrscht Innen ≈ Außen. Hypothermie beginnt bei Körpertemperatur unter 35°C, lebensbedrohlich unter 32°C.

Wärmeverlust-Profil · Wohnungstypen

FIG-G-2 · INNENRAUM-TEMP · BLACKOUT BEI -5°C AUSSEN 22°C 15°C 8°C 2°C −5°C ▼ HYPOTHERMIE-RISIKO T+0 T+6h T+12h T+24h T+36h T+48h T+72h ALTBAU · −2.5°C/h MIETSHAUS · −1.5°C/h KFW55-NEUBAU · −0.4°C/h 8°C HUNGRIG ▸ AUSSENTEMP −5°C · KEIN HEIZQUELLE · STARTWERT 22°C
WOHNUNG-TEMPERATUR · 72H BLACKOUT · WINTER
Komfort≥18°C
Akzeptabel12-18°C
Hungrig8-12°C
Risiko5-8°C
Hypothermie≤5°C
Altbau Verlust2-3°C/h
Mietshaus1-2°C/h
KFW55-Neu0.3-0.5°C/h
Passivhaus0.1°C/h
Ein-Raum-TrickFaktor 2 langsamer

Wärme-Strategie

  1. Ein Raum — schließe alle Türen, heize nur einen Raum. Halbiere das Volumen, halbiere die Wärmeschuld.
  2. Innen-Zelt — Iglu-Zelt im Wohnzimmer aufgebaut. Körperwärme + Atemwärme heizen Mikroklima auf 5–10°C über Außenraum.
  3. Schichten-Kleidung — Wolle, Daune, Synthetik. Mütze (40% Wärmeverlust über Kopf), Handschuhe, Wollsocken.
  4. Schlafsack — Komfortbereich -10°C oder besser. Auch im Bett.
  5. Heizung — siehe Geräte unten. Niemals offene Verbrennung in geschlossenen Räumen.

Heizgeräte (Vor- und Nachteile)

WG-1.1
Petroleumheizung Indoor
Inverter Kerosene. CO/CO₂-Gefahr — niemals Schlafraum, Lüftung Pflicht. CO-Melder zwingend.
WG-1.2
Holzofen / Kaminofen
Beste Lösung wenn vorhanden. Holzlager 2 m³ deckt Notwinter. Vorab Schornstein gefegt.
WG-1.3
Gasheizer Indoor
Nur „Indoor-zugelassen" mit O₂-Sensor + CO-Melder. Tödlich häufige Unfälle bei Camping-Gasheizern.
WG-1.4
Teelichter-Heizung (Tonblumentopf)
Mythos — funktioniert kaum, höchstens Hand-Wärme an einer Stelle. Brandrisiko hoch. Nicht empfohlen.
WG-1.5
Wolldecken + Körperwärme + Tee
Unterschätzt. Heißer Tee jede 2 h hält Kerntemperatur. Drei Personen unter Decken = stabiles Mikroklima.
WG-1.6
CO-Melder
15–20 €. Pflicht bei jeder Verbrennung indoor. Akku-betrieben, 5–10 Jahre Standzeit.
Die meisten Toten in Blackout-Wintern sind nicht durch Kälte direkt — sondern durch Kohlenmonoxid-Vergiftung. Innenraum-Holzgrills, Camping-Kocher, Notstromaggregate im Keller. CO ist farb- und geruchlos. Ein Melder rettet Leben.
G-06 — Kommunikation

Ohne Mobilfunk. Und doch vernetzt.

Stufen

CM-1.1
Kurbelradio + UKW/MW
DLF, BBK NINA-Sender. WDR sendet Notfall-Infos auf 92.7 MHz Köln. Kurbel = unabhängig von Akku.
CM-1.2
PMR446 Funkgerät (Familie)
Lizenzfrei, ~1–5 km Reichweite, Kanal vorab vereinbart. Akkus + Kurbellader vorhalten.
CM-1.3
Amateurfunk Klasse E (DARC)
2m / 70cm Bänder, Reichweite Sichtlinie 5–30 km. Lizenz vorab erwerben (DARC OV K10 Köln).
CM-1.4
Solar-Powerbank 20 Ah
Akku-Erhalt für Funkgerät, Stirnlampe, Notfall-Telefon. Solarpanel 30W faltbar.
CM-1.5
Notfall-Briefkasten / Treffpunkt
Wenn alles versagt: vereinbarte Treffpunkte mit Familie/Freunden, Zeitfenster, schriftliche Botschaft.
Mobilfunk-Masten haben unterschiedliche Backup-Zeiten: zentrale Türme oft 6–24 h Akku, kleinere Antennen kürzer. Telekom hat ~5% der Standorte mit Notstromaggregat (Diesel-Backup). Erwarte realistisch 4–8 h Mobilfunk in einem Stadt-Blackout.
G-07 — Vorrats-Setup

Ein Quadratmeter Schrank.

BBK-Standard plus 50%

Position14-Tage / PersonAnmerkung
Wasser28 L (+ 50%)5L-Kanister, kühl, dunkel; alle 6 Mo. tauschen
Kohlenhydrate3.5 kg Reis/Pasta/ZwiebackLange haltbar, energiedicht
Protein2 kg Konserven (Fisch, Bohnen, Eintopf)2000–4000 kcal/Tag insgesamt
Fett500 ml Öl, 250 g Butter (haltbar)Energie, Kochen
Salz, Zucker, Gewürze500 g Salz, 1 kg ZuckerHaltbarkeit Jahre
Vitamin-ReserveMulti + C-BrausetablettenBei eingeschränkter Frischkost
HygieneSeife, Toilettenpapier, MüllbeutelUnterschätzt — Würde bewahrt Disziplin
MedizinPersönliche + IFAK + Antibiotika-ReserveDiabetiker / Asthmatiker doppelt
Bargeld500 € pro Person, kleine ScheineEC-Automaten tot, Geld funktioniert offline

Zubereitung ohne Strom

  • Camping-Kocher (Gas) + 2 Reservekartuschen. Im Freien benutzen.
  • Holzofen mit Kochplatte oder Esbit-Trockenspiritus.
  • Thermosflasche — einmal kochen, mehrmals trinken.
  • Sun Oven / Solarkocher — wenn Wetter es erlaubt, kochen ohne Brennstoff.
  • Konsum-Hierarchie: zuerst Tiefkühltruhe (taut auf), dann Kühlschrank (24h ok), dann Lagerung.
G-08 — Entscheidungsmatrix

Wann bleiben, wann fliehen.

Maßnahme Kurz-Blackout
≤24h
Mittel
1-3d
Lang
3-7d
Sehr lang
≥7d
Sonnensturm
Wochen+
Daheim bleiben Ja Ja Wenn Wärme Nein, Stadt Niemals
Bug-Out Eifel Nein Nein Erwägen Ja Sofort
Wasser sammeln Frühzeitig Pflicht Pflicht Pflicht Quelle nötig
Heizen indoor Wolldecken CO-Melder Ein Raum Holz/Petrol. Holz
Funk benutzen Kurbelradio PMR / Radio Ham wenn da Ham + Burst Ham nur
Tankstelle anlaufen Wenn auf Vermutlich aus Aus Aus Aus
Mit Nachbarn teilen Ja Ja Pflicht Pflicht Pflicht
Allein zu Hause sitzen ist die schlechteste Option ab T+72h. Eine 4-Personen-Gruppe mit verteilten Aufgaben überlebt ein 14-Tage-Blackout dramatisch leichter. Vorab Treffpunkte, Aufgaben, Vertrauen klären — nicht im Krisenmoment.
G-09 — Langfrist

Resilienz statt Heldentum.

  • Eigenstrom — PV-Anlage mit Inselfähigkeit. Standard-PV speist nur ins Netz; spezielle Wechselrichter ermöglichen Notbetrieb. Tesla Powerwall, Sonnen, BYD.
  • Holzofen-Nachrüstung — Wohnungsgenossenschaften erlauben oft Pellet-Öfen. Genehmigung über Schornsteinfeger.
  • Garten / Schrebergarten — psychologisch und praktisch wertvoll. Köln hat 12.000+ Kleingärten.
  • Nachbarschaft — Tausch-Wissen, gemeinsame Werkzeuge, Familien-Notfall-Plan. Vorab.
  • Skill-Aufbau — Erste Hilfe (DRK-Kurs), Funklizenz (DARC), Notfall-Survival (DLRG / Bergwacht), Reparatur-Café.
  • Mentale Anpassung — Akzeptiere, dass eine Krise nicht „bald vorbei" ist. Aushalten ist eine eigene Disziplin.
Deutschland hat eines der zuverlässigsten Stromnetze der Welt — durchschnittlich 12 Minuten Ausfall pro Jahr und Haushalt. Aber „durchschnittlich" hilft dir nicht im Einzelfall. Die Vorsorge ist günstig und passt in einen Quadratmeter Schrank. Die Alternative ist teurer.